Klang – Gedanke – Instrument: Curt Sachs und die Musikwissenschaft heute
Symposion mit Rundgesprächen zu aktuellen Fragen der Musikwissenschaft anlässlich der 125. Wiederkehr des Geburtstages von Curt Sachs
28.–30. September 2006
Staatliches Institut für Musikforschung PK
Musikinstrumenten-Museum
Curt-Sachs-Saal
Tiergartenstraße 1
10785 Berlin
Der 1881 in Berlin geborene Curt Sachs zählte und zählt auch heute noch zu den bedeutenden Musikforschern. Seine Forschungsgebiete reichten von der Kunstgeschichte (in der er promovierte) und lokalen Musikgeschichte Berlins über Musikethnologie und Instrumentenkunde bis zu den Grundfragen der musikalischen Ordnung. Insofern war er ein Kulturwissenschaftler, längst bevor sich diese Disziplin als eigenständiges Universitätsfach etablierte. Er verband unermüdliches Quellenstudium mit geisteswissenschaftlicher Interpretation, wobei es ihm immer darauf ankam, ebenso elegant wie verständlich zu formulieren. Instrumentenkundler bedienen sich auch heute noch der von ihm mitentwickelten Systematik der Musikinstrumente. Auch wenn einige seiner musikethnologischen Interpretationen aus dem Wissenschaftsdenken ihrer Zeit heraus entstanden und heute als überholt angesehen werden, hat Sachs mit seinen vielen Publikationen, die sich auch an ein breiteres Publikum wandten, ohne deshalb ihre Seriosität preiszugeben, die Musikwissenschaft im besten Sinne des Wortes popularisiert. 1933 musste Curt Sachs wegen der Antisemitismuspolitik des nationalsozialistischen Deutschlands seine Heimat verlassen und wirkte zunächst in Paris und ab 1937 in New York. Dieses erzwungene wissenschaftliche Weltbürgertum führte dazu, dass sich seine Forschungen und Gedanken in besonderem Maße international verbreiteten.
Da Curt Sachs von 1919 bis 1933 der Vorläufer-Institution des Berliner Musikinstrumenten-Museums als Direktor vorstand, veranstaltet das Staatliche Institut für Musikforschung in Erinnerung an den Wissenschaftler ein Symposion mit Rundgesprächen und Vorträgen, wobei u. a. folgende Aspekte in einem Kreis kompetenter Fachwissenschaftler diskutiert werden:
- die Bedeutung des Schaffens von Curt Sachs im Kontext des wissenschaftlichen Denkens seiner Zeit
- die Bedeutung von Curt Sachs für die heutige Musikwissenschaft, Museumskunde und Organologie
- die Frage, inwieweit geänderte Quellensituationen und neue Möglichkeiten der Analyse dazu geführt haben, neue Methoden in der Musikwissenschaft anzuwenden.
Donnerstag, 28. September 2006
ab 13.00 Uhr
Registrierung für aktive Teilnehmer
15.00 Uhr
Audioguide-Besichtigung der Sonderausstellung
16.30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Conny Restle, Direktorin MIM
Martin Elste, Kurator
CURT SACHS – MENSCH UND IDEE
17.00 Uhr
Gabrielle Forrest (West Orange, NJ) erinnert sich an ihren Vater Curt Sachs
17.45 Uhr
Andreas Meyer (Berlin): Zu einem Briefwechsel zwischen Curt Sachs und Hans Joachim Moser
18.15 Uhr
Annette Otterstedt (Berlin): Curt Sachs und die Entthronung der Linie
Freitag, 29. September 2006
9.00 Uhr
Renato Meucci (Mailand): Curt Sachs and the Foundations of Musical Organology
9.45 Uhr
Ignace De Keyser (Brüssel): Sachs und Mahillon – ein verpasster Dialog
10.30 Uhr
RUNDGESPRÄCH I
Alte Musik anno 1930: Ein Schallplattenkonzert, präsentiert von Martin Elste
Diskussionsteilnehmer: Reinhard Goebel (Siegen), Kai-Uwe Jirka (Berlin), Jörg Königsdorf (Berlin), Annette Otterstedt (Berlin)
13.00 Uhr
Mittagspause
14.00 Uhr
Florence Gétreau (Paris): Curt Sachs and his Theory for Musical Museology
14.30 Uhr
RUNDGESPRÄCH II
Organologie, Museologie und Musikwissenschaft
Diskussionsteilnehmer: Silke Berdux (München), George Brock-Nannestad (Kopenhagen), Ignace De Keyser (Brüssel), Martin Elste (Berlin), Jürgen Eppelsheim (München), Florence Gétreau (Paris), Lars-Christian Koch (Berlin), Conny Restle (Berlin), Bernd Rudolf (Weimar)
Anschließend: Führung durch das Musikinstrumenten-Museum mit Conny Restle
Sonnabend, 30. September 2006
9.30 Uhr
Thomas Rösch (München): Curt Sachs und Carl Orff
10.30 Uhr
RUNDGESPRÄCH III
Konzepte
Diskussionsteilnehmer: Silke Berdux (München), George Brock-Nannestad (Kopenhagen), Jürgen Eppelsheim (München), Ignace De Keyser (Brüssel), Martin Elste (Berlin), Florence Gétreau (Paris), Sebastian Klotz (Leipzig), Lars-Christian Koch (Berlin), Annette Otterstedt (Berlin), Carsten Schmidt (Berlin)
Ansprechpartner: Dr. Martin Elste
Stiftung Preußischer Kulturbesitz
